Gründerzeit

Gründerhaus am Turm, Postkarte 1907Die Gründerzeit
wurde durch zwei Ereignisse eingeleitet, den Sieg über Frankreich im Krieg von 1870/71 und die daraufhin 1871 erfolgte Gründung des Deutschen Reiches.

Die verwirklichte nationale Einheit und die den Franzosen auferlegte Kriegsentschädigung von fünf Milliarden Goldfranc lösten einen Gründerboom von Unternehmen und Banken aus, der den nachfolgenden Jahrzehnten den Namen „Gründerzeit“ gab.

Die deutsche Wirtschaft erlebte einen ungeahnten Aufschwung, der von einer rasanten Industrialisierung begleitet wurde. Wissenschaft und Forschung blühten auf, die Technik hielt Einzug in viele Lebensbereiche. Nutznießer dieser Entwicklung war vor allem das Bürgertum, das einen nie gekannten Wohlstand erlangte. Das gesteigerte Bedürfnis nach Selbstdarstellung und Repräsentation fand seinen Ausdruck vor allem in der Architektur.

Technik und Forschrittsglauben gingen aber gleichzeitig einher mit der Rückbesinnung auf überholte Werte. Nach dem nüchternen Biedermeier machte sich in allen Schichten der Gesellschaft ein starkes Bedürfnis nach üppigem Schmuck und äußerer Pracht bemerkbar, wie es in früheren Jahrhunderten der Adel gekannt hatte.

GründerzeitOhne einen eigenen Stil zu entwickeln, wurden Formen vergangener Stilepochen übernommen. Dies führte zu einem kolossalen Stilwirrwarr. Auch fremde Einflüsse aus fernen Ländern wurden imitiert.

Beispiele für übernommene alte Stilmerkmale findet man beim Frankfurter Opernhaus (1880) sowie beim Leipziger Gewandhaus (1884). Ein eigener, neuer Stil ist besonders in solchen Bauten erkennbar, die mit neuem Material (Eisen, Glas, Beton) reine Zweckformen für Brücken, Tunnel, Eisenbahnen und Bahnhöfe darstellten und damit den Übergang zur Moderne schufen.